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Lassen Sie die Hand tanzen

Die Hand ist ein wunderbares Instrument – wahrlich ein Wunderwerk der Natur! Sie steht natürlich nicht für sich allein. Verbunden ist sie mit dem Arm und mit dem ganzen Körper. Auch spielt der Verstand eine Rolle. Und das Herz!

In meiner Tätigkeit als Live-Karikaturist hatte ich über zwanzig Jahre lang Gelegenheit, dieses Zusammenspiel im Ernstfall zu beobachten und meine Erkenntnisse daraus zu gewinnen. Wenn ich bei einem Auftritt um Mitternacht immer noch am Zeichnen, aber bereits todmüde bin, überschreite ich manchmal den toten Punkt. Dann verabschiedet sich das Ego, bzw. der Verstand, und geht schon mal schlafen. In solchen Momenten der Gnade habe ich schon mehrmals erlebt, wie Herz und Hand zum Tanz aufspielen.

So nach dem Motto „Ist die Katze aus dem Haus, dann tanzt die Maus!“

Staunend sehe ich dann zu, wie meine Hand auf dem Papier tanzt und Karikaturen von der Marke „erste Sahne“ hinzaubert, während das Herz auf der Tribüne singt und die Welle macht. Müdigkeit weg – Glück pur! Das muss man erlebt haben, um es zu glauben.

Am nächsten Tag ist der Verstand natürlich wieder auf dem Posten, mit Ringen unter den Augen, aber emsig wie eh und je. Zurück bleibt die Erinnerung und die Erkenntnis, wie es sein könnte, wenn…

Nun, der Verstand und sein übermächtiger Einfluss ist eine Realität. Wir können aber daran arbeiten, das Verhältnis zwischen dem Verstand – oder eben dem Kopf, dem Herz und der Hand etwas günstiger zu gestalten. In den Kursen der Cartoon-Schule „da Matto“ kümmern wir uns vor allem um die Hand und geben ihr einen munteren Tanzkurs. Das Herz bekommt viel Raum, namentlich in den Ferienkursen. Der Verstand erhält durchaus Wertschätzung für seine Arbeit. Doch wird er beobachtet, damit er sich auf dem Beifahrersitz nicht allzu breit macht und vor allem, dass er nicht dauernd die Handbremse zieht!

Ein Team zu bilden aus allen drei Akteuren Kopf, Herz und Hand, in dem jeder seine Aufgabe übernimmt und den andern genügend Raum gewährt, das ist die Absicht. Das Ziel wäre dann erreicht, wenn der Verstand wie der Tyrann Dionys in Schillers Gedicht „die Bürgschaft“ die grossen Worte spricht:

„Ich sei, gewährt mir die Bitte,
in eurem Bund der dritte!“

 

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