Anfangen

Was ist der grösste Fehler, den du im Zeichnen machen kannst? – Nicht anzufangen! Ist dir schon aufgefallen, dass im Wort „anfangen“ der Begriff „fangen“ enthalten ist? Das hat im Zeichnen– und speziell im Cartoonzeichnen – einen tieferen Sinn. Es geht darum, Ideen einzufangen und aufs Papier zu bringen.

Eine Idee ist wie ein Schmetterling. Wenn du überlegst, wie du ihn am besten einfangen kannst, ist er weg, bevor du fertiggedacht hast. Deshalb: Wenn du eine Idee hast, denk nicht lange darüber nach. Fang gleich mit dem Zeichnen an!
Ideen-fangen „Aber…“ tönt es sogleich. – Da ist er schon, der Verstand, dieser alte Spielverderber.

Er ist ein pflichtbewusster, tüchtiger und überaus nützlicher Beamter, unser Verstand. Aber er ist kein Künstler. Alles, was nicht in seinen dicken Büchern steht und was nicht der Norm entspricht, ist ihm suspekt.

Der Mörder war wieder der Gärtner,
Und der plant schon den nächsten Coup.
Der Mörder ist immer der Gärtner,
Und der schlägt erbarmungslos zu.
…singt Reinhard Mey in einem seiner Lieder. Was die Ideen betrifft, so kann man den Gärtner im Liedtext mit „Verstand“ ersetzen. Dieser schlägt auch im Zeichnen zu. Erbarmungslos. Unzählige Ideen werden von seinen Bedenken, Vorbehalten und Einschränkungen auf dem Weg vom Kopf zum Zeichenpapier umgebracht.

Gibt es eine Lösung? Ja: Anfangen!

Auch wenn du erst eine vage Idee hast, nimm den Stift und beginne zu zeichnen! Egal, wie schräg das aussieht. Hauptsache, du hast die Idee irgendwie gepackt. Erstens geht sie auf diese Weise nicht verloren, und zweitens wirst du merken, dass du mit dem Zeichenstift „denken“ kannst. Er hilft dir, der Idee eine Form zu geben.

Das ist die Magie des Scribbles. Mehr dazu im nächsten Zeichentipp!