Konzentration

Ein Stift, Papier und du. Das ist alles, was es zum Zeichnen braucht.

Der Stift ist da, das Papier auch – und du?

Berechtigte Frage. In der Tat sind wir die meiste Zeit nicht da. Wir tummeln uns in der Vergangenheit oder Zukunft. Selten in der Gegenwart.

Verantwortlich dafür ist unser Verstand – ein Angestellter, der auf dem Chefsessel Platz genommen hat. Er verwandelt unser Leben in ein emsiges Grossraumbüro und beschäftigt uns den lieben langen Tag mit seinen Einschätzungen, Kommentaren, Be- und Abwertungen, Vergleichen, Sorgen, Ängsten usw. usw. Im Buddhismus gibt es eine treffende Bezeichnung für diesen ganzen Betrieb: „Monkey mind“.

Das Zeichnen hilft dir, für einige Zeit dem Grossraumbüro zu entkommen. Du ziehst dich zurück in DEINEN Raum. Zeichnen ist Konzentration. Das hat nichts zu tun mit „Zusammenreissen“, senkrechten Stirnfalten, verkrampften Bauchmuskeln und einbetonierten Schulterblättern. Konzentration heisst loslassen, leer werden.

 

Konzentration ist Meditation. Du findest dein Zentrum, deine Mitte. Dort ist Ruhe – und so manches, was du vergeblich im Aussen suchst. Das ist die Eingangspforte zum grenzenlosen Reich der Inspiration – ein Zugang, den du im Lärm des Grossraumbüros vergeblich suchst.

Je besser du dich konzentrieren kannst, umso eher gelingt dir, was du tust – und umso leichteren Zugang hast du zur Quelle der Inspiration. Konzentration ist ein Merkmal von Meisterschaft – im Zeichnen wie im Leben.