In den zwölf Jahren, in denen die Cartoonschule nun besteht, hatte ich reichlich Gelegenheit zu beobachten, wie meine Schülerinnen und Schüler eine Zeichnung anpacken. Dabei erkannte ich, dass sich aus dem Zeichnen darauf schliessen lässt, wie ein Mensch sein Leben anpackt.
Es gibt – grob gesagt – zwei Arten:
– im Kampf-Modus
– im Spiel-Modus
Ich versuche stets, nicht nur das Zeichnen selbst zu lehren, sondern vor allem, meine Schülerinnen und Schüler vom Kampf- in den Spiel-Modus zu bringen. Erst wenn das gelingt, befreit sich das Zeichnen aus dem allgegenwärtigen Leistungsdruck und wird zu dem befreienden Abenteuer, das es sein kann.
Ein Mensch, der im Kampf-Modus unterwegs ist, richtet sein Augenmerk auf die Schwierigkeiten. Er sieht auf dem Weg, der vor ihm liegt, nur die Hindernisse – tatsächliche oder eingebildete. Das sorgt meist dafür, dass er diesen Weg gar nicht erst in Angriff nimmt.
Ein Mensch im Spiel-Modus hingegen sieht das Ziel. Das heisst nicht, dass er weniger Hindernisse zu überwinden hat. Der Unterschied zu einem Menschen im Kampf-Modus ist einfach, dass er sich nicht zusätzliche Schwierigkeiten ausdenkt, die vielleicht irgendwann auftauchen könnten. Er befasst sich mit Stolpersteinen dann, wenn sie tatsächlich da sind, räumt sie weg und geht weiter seinen Weg.