Kampf- oder Spielmodus?
In den zwölf Jahren, in denen die Cartoonschule nun besteht, hatte ich reichlich Gelegenheit zu beobachten, wie meine Schülerinnen und Schüler eine Zeichnung anpacken. Dabei erkannte ich, dass sich aus dem Zeichnen darauf schliessen lässt, wie ein Mensch sein Leben anpackt.
Es gibt – grob gesagt – zwei Arten:
– im Kampf-Modus
– im Spiel-Modus
Ich versuche stets, nicht nur das Zeichnen selbst zu lehren, sondern vor allem, meine Schülerinnen und Schüler vom Kampf- in den Spiel-Modus zu bringen. Erst wenn das gelingt, befreit sich das Zeichnen aus dem allgegenwärtigen Leistungsdruck und wird zu dem befreienden Abenteuer, das es sein kann.
Ein Mensch, der im Kampf-Modus unterwegs ist, richtet sein Augenmerk auf die Schwierigkeiten. Er sieht auf dem Weg, der vor ihm liegt, nur die Hindernisse – tatsächliche oder eingebildete. Das sorgt meist dafür, dass er diesen Weg gar nicht erst in Angriff nimmt.
Ein Mensch im Spiel-Modus hingegen sieht das Ziel. Das heisst nicht, dass er weniger Hindernisse zu überwinden hat. Der Unterschied zu einem Menschen im Kampf-Modus ist einfach, dass er sich nicht zusätzliche Schwierigkeiten ausdenkt, die vielleicht irgendwann auftauchen könnten. Er befasst sich mit Stolpersteinen dann, wenn sie tatsächlich da sind, räumt sie weg und geht weiter seinen Weg.
Das Ziel verliert er dabei nie aus den Augen und schöpft viel Kraft aus der freudigen Vorstellung des kommenden Erfolgs. Welch ein Unterschied zu einem Menschen, der das Leben zu einer Kampfbahn gemacht und sein Ziel – wenn er überhaupt eines hatte – aus den Augen verloren hat!
Jedes Spiel wird von den gleichen Bedingungen bestimmt: Es braucht ein Spielfeld und Spielregeln, es gibt Gewinner und Verlierer – und es hat Gegenspieler. – Ja, die gehören auch zum Spiel! Wenn jeder Spieler auf dem Fussballfeld einen Ball hätte, um damit herumzuspielen, wäre das stinkelangweilig, und es würden kaum fünfzigtausend Menschen in ein Stadion pilgern, um dem zuzuschauen.
So ist es auch im Leben: Erst die Gegenspieler machen es spannend! Erst das Überwinden von Hindernissen macht uns stärker – und stolz, wenn wir es geschafft haben. Wird das Leben aus diesem Verständnis heraus betrachtet, kehrt der Spielgeist zurück – und mit ihm die Freude, das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das lässt sich auf dem Spielfeld des Zeichenbretts beobachten und üben – und ebenso auf der grossen Bühne des Lebens.
Das ist denn auch der Titel dieses Zeichentipps, die Auflösung des Mattogramms – und das, was ich dir von Herzen für dein Leben wünsche: Spielfreude!
Matto
Cartoonschule „da Matto“
Atelier & Büro: Spiegelacker 1
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+41 (0)79 719 22 44
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