Der blaue Papagei

Der blaue Papagei 

„Du hast einen Vogel!“ Diese Bemerkung kennen wir alle. Ausgesprochen oder nonverbal, meist aus dem schützenden Auto heraus, mit dem Zeigefinger am Kopf.

Kürzlich war ich in der Stadt, und da erlebte ich das mit dem Vogel auf eine ganz besondere Weise: Während ich vor dem Fussgängerstreifen auf Grün wartete, sah ich Blau – und wie! Mir stand der Mund offen, als eine Frau daherkam. Nicht etwa wegen der Frau, sondern weil sie auf jeder Schulter einen grossen blauen Papagei trug! „Bei Ihnen kann man wirklich sagen, Sie hätten einen Vogel“, sagte ich zur Frau, als ich mich etwas erholt hatte. „Ja, sogar zwei“, entgegnete sie lachend. Und der eine Papagei lachte mit – oder krächzte zumindest ohrenbetäubend. Dann wurde es Grün, und die beiden Blau überquerten mit der Frau die Strasse.

Das blaue Wunder, das ich soeben erlebt hatte, wirkte bei mir noch eine ganze Weile nach. Es stimmte mich heiter, und ich fühlte mich auf eine seltsame Art mit dieser Frau und ihren

Papageien verbunden. „Im Grunde genommen“, sinnierte ich beim Weitergehen, „sind Strichmännchen und Cartoonfiguren solche Papageien: Wir tragen sie zwar nicht auf den Schultern herum, und sie krächzen nicht. Doch auch sie kommen aus einer anderen Welt, überraschen uns und bringen für einen Moment wohltuende Heiterkeit ins Leben.“

Es braucht ein klein wenig Verrücktheit und etwas Mut, blaue Papageien durch die Stadt zu tragen. Gewiss gilt das auch, wenn wir Strichmännchen und Cartoonfiguren in die Welt setzen. In einer Zeit, wo der überaus wichtige und ernsthafte Kopf das Sagen hat, ist es manchmal nicht einfach zuzugeben, dass ein Kind in uns steckt, das gerne lustige Dinge zeichnet.

Doch es ist ausgesprochen herzerfrischend, wenn wir es dennoch tun! – So wünsche ich dir ein bisschen Verrücktheit und viel Mut für deine ganz persönlichen blauen Papageien!

                                                                              Matto

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William und Helene

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Der Kartoffelpoet Cartoon

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Der Wonnemonat Mai bringt die warmen Tage zurück und lockt uns hinaus zu manch einem Spaziergang in der freien Natur. Das ist auch bei den Birnen der Fall, wie bei Hélène und Wiliam, die hier lustwandelnd unterwegs sind.

Du wunderst dich, dass es weibliche und männliche Birnen gibt? – Klar, es heisst DIE Birne, also eindeutig weiblich. Doch es gibt tatsächlich auch männliche Birnen. Die Williams-Birne zum Beispiel. Diese endet nicht selten im Alkohol und wird dann „Vieille Poire“ genannt. Die weibliche Birne hingegen kannst du an Sommertagen in einem Gartenrestaurant antreffen. Kühl und mit einem Sahnehäubchen tritt sie auf und trägt den Namen „Poire Belle Hélène“.

Wohlklingende französische Namen hin oder her – dass das Paar auf diese Weise getrennte Wege gehen muss, ist eine traurige Realität!

Wenn wir Cartoons zeichnen, können wir zum Glück unsere eigene Realität erschaffen. Auf dem Papier – und weil es ansteckend ist – auch im Leben. Das wird dann „Humor“ genannt. So können wir den harten Tatsachen hin und wieder ein Schnippchen schlagen – was nicht nur Hélène und William, sondern auch uns selber ein bisschen glücklich macht.

 

Unser eigenes Königreich

Unser eigenes Königreich 

Die grösste Kraft in unserem Leben ist die Liebe. Sie macht uns gross und stark. Durch sie werden wir zum König oder zur Königin in einem Reich, das wir frei und selbstbestimmt regieren – zum Wohl von uns und allem, was uns anvertraut ist.

Das Gegenteil von Liebe ist nicht etwa der Hass – es ist die Angst. Das Wort kommt aus dem Lateinischen „angustus“ und bedeutet „eng“.

Das Witzige an diesem Wort ist, dass sich der zweite Buchstabe umdrehen lässt: Das n wird zum u. Erst breitbeinig und bucklig wird derselbe Buchstabe nun nach oben offen wie ein Gefäss, und das Wort bekommt eine völlig andere Bedeutung: Aus „angustus“ wird „augustus“. Das heisst „erhöht“, „erhaben“ oder „ehrwürdig“.

Augustus hiess früher ein mächtiger römischer Kaiser. Heute kommt der Name – ausser in einer Monatsbezeichnung versteckt – praktisch nur noch beim „dummen August“ im Zirkus vor. Irgendwie bezeichnend für die Zeit, in der wir leben. Das u ist umgedreht. Wir fühlen uns alles andere als erhaben, und was herrscht, ist die Angst. Diese wird tüchtig geschürt, so dass wir gar nicht auf die Idee kommen, uns als König oder Königin zu fühlen. Eher sind wir Sklaven aller möglichen Zwänge – Bauern auf dem Schachbrett anonymer Spieler.

Das mag alles so sein, doch was ums Himmels Willen hat das mit dem Zeichnen zu tun? Mehr als man denkt!

Wenn ich zeichne, erschaffe ich mir ein eigenes Königreich. Mit jedem weissen Blatt, das ich zur Hand nehme, eröffnet sich mir eine schier grenzenlose Freiheit, dieses Reich mit Formen und Farben zu besiedeln. Ich spiele die höchste Fähigkeit aus, die uns Menschen gegeben ist – aus dem Nichts etwas zu erschaffen. Das sprengt die Fesseln des Sklaven – ich bin König in meinem Reich! Dabei kann ich die Welt und die Zeit vergessen, und das ist eine Form von Glück.

Der Krieg und das Leid, das sich nunmehr vor unserer Haustüre abspielt, ist bittere Realität. Sich Freude zu gönnen oder gar glücklich zu sein, scheint unter diesen Umständen nicht angebracht. Vielmehr versuchen wir, das Unfassbare zu erfassen, indem wir es im Gespräch und in den sozialen Medien mit anderen teilen. Dabei merken wir nicht, dass dies nichts zu einer Verbesserung der Situation beiträgt. Gar nichts! Im Gegenteil. Ungewollt tragen wir dazu bei, die Angst zu verbreiten. Wir füttern den schwarzen Wolf, während der weisse daneben verhungert.

Wäre es da nicht besser, etwas Energie und Aufmerksamkeit unserem eigenen Königreich zu widmen? Es ist wohl nur ein kleines Licht, das wir damit anzünden. Doch auch eine Kerze vermag Dunkelheit zu vertreiben. Und was wäre, wenn es ganz viele solcher Lichter gäbe?

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Das Schlusswort möchte ich einer lieben Teilnehmerin unserer Ferienkurse überlassen. In einer Mail hat sie mir kürzlich geschrieben:

Die Nachrichten aus der Ukraine bedrücken uns alle, und der Mut, mit dem die Menschen für ihre Freiheit kämpfen, ist unglaublich. Umso mehr sollten wir dieses kostbare Gut wertschätzen. Ich bin jeden einzelnen Tag dafür dankbar – und auch für das schöne Wetter und die Tulpen und Narzissen, die jetzt in meinem Garten heranwachsen.

Habt eine gute Zeit, bleibt gesund und schaffensfroh!

Diesen schönen Wunsch gebe ich gerne mit einem herzlichen Gruss an Dich weiter

Matto

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Beim Psychiater

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Gemuese und Co.

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Schweine, sagt man, seien intelligenter als Hunde. Während wir uns überhaupt nicht vorstellen können, diese zu essen, ist genau dieses Schicksal dem Schwein beschieden. Daher auch der gängige Ausdruck „armes Schwein“.

Ein solches sehen wir hier auf der Couch des Psychiaters. Geradezu prophetisch, wie es seine Zukunft voraussieht. Diese wird wohl genauso eintreffen wie befürchtet.

Da kann auch Dr. F. Erkel nichts daran ändern. Genauso wenig wie wir, die wir schon bald wieder die Koteletten und Bratwürste auf dem Grill brutzeln lassen.

Was wir allerdings tun können, ist vor dem Essen eine Schweigeminute einzulegen, um des armen Schweins auf der Couch zu gedenken und ihm für seine nächste Inkarnation ein günstigeres Schicksal zu wünschen, z.B. als Hund. Aber um Himmels Willen nicht in China!