Spass oder Freude?

Spass oder Freude

Zeichnen macht Spass! Ist das so?

Nein, wenn du mich fragst. Es wäre etwa so, als wenn du sagen würdest: „Bergsteigen macht Spass!“ Damit ist nicht gemeint, dass das Bergsteigen oder das Zeichnen nicht lohnenswert wäre. Es heisst einfach, dass es dabei nicht um Spass geht. Es geht um etwas anderes.

Wir leben in einer Spassgesellschaft. Das Bestreben ist, mit wenig Einsatz ein Maximum für sich herauszuholen. Möglichst gratis und ohne Anstrengung. Das ist verlockend – aber trügerisch.

Der Spass ist ein Gaukler. Es ist nichts einzuwenden gegen ihn. Auf dem Jahrmarkt des Lebens hat er durchaus seinen Platz. Er sorgt für Unterhaltung. Doch wie das Wort sagt, sorgt er auch dafür, dass etwas unten gehalten wird – die Einsicht nämlich, dass der Spass etwas verspricht, das er nicht zu geben vermag: einen echten Lohn.

Ich habe in der Studentenverbindung eine Menge Spass erlebt. Doch auch das, was im Studentenlied so schön beschrieben wird: …“Busse tun beim Katzenjammer.“ Das verschweigt uns der Spass: Er hat meist eine Kehrseite, auch dann, wenn kein Bier im Spiel ist wie bei den Couleurbrüdern.

 

Was ist denn der echte Lohn – und was hat nicht diese Kehrseite? Es ist das, was wir beim Bergsteigen und Zeichnen – und bei allem, was wir mit ganzem Herzen tun – suchen und tatsächlich finden: die Freude. Während der Spass stets etwas ist, was von aussen kommt, weist uns die Suche nach Freude den Weg nach innen. Dort ist zu finden, was wir vergeblich im Aussen suchen: den „schönen Götterfunken“, wie Friedrich Schiller die Freude in seiner berühmten Ode nennt.

Wer nach Überwindung aller Hindernisse schliesslich oben auf dem Berg steht – oder die fertige, auf ein weisses Blatt gezauberte Zeichnung betrachtet, mag diesen Funken spüren. Ein schöner Lohn.

Auch wenn es in diesen Zeiten fast unanständig scheint, Freude zu empfinden oder gar auszudrücken, tun wir es dennoch. Wenn der grimmige Kriegsgott sich erlaubt, den Funken ins Pulverfass zu werfen, dürfen schöne Götterfunken auch sein – erst recht!

                                                               Matto

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Die Kreation

Die Kreation

Inspiration ist, wenn dich die Muse küsst. Das ist etwas zwischen dir und deiner Muse – eine ganz persönliche, um nicht zu sagen: intime Sache. – Willst du nun deine Inspiration für andere sichtbar machen, ist das eine Kreation. Nicht einfach, so einen Kuss zu erklären. Es ist eine Kunst!

Ob der Begriff „Kunst“ nun von „künden“ oder „können“ kommt, darüber streiten sich die Geister. Ich finde, es braucht beides: Als Künstler solltest du deine Inspiration verkünden können. Diese muss natürlich vorhanden sein, damit es überhaupt etwas zu verkünden gibt. Auch wenn gewisse Erscheinungen in der Kunstszene zeigen, dass es auch ohne Inspiration geht, gemäss dem Spruch: „Wer nichts zu sagen hat, tut dies meist besonders laut.“ Doch darum geht es hier nicht.

Da die Muse bei stürmischem Wetter nicht landen kann, solltest du zuerst einen ruhigen Landeplatz schaffen – im Kopf und im Herzen, denn Ruhe ist die Voraussetzung für Inspiration, wie im letzten „Zeichentipp“ ausführlich beschrieben. Hast du Glück, kommt es zum Musenkuss – und dann beginnt die Arbeit: die Kreation.

Drei Faktoren spielen dabei mit. Sie bilden das Dreieck der Kreation:

Als Künstler musst du immer alle drei Punkte im Auge behalten und ausbalancieren, indem du entscheidest, welches Gewicht du den drei Ecken gibst. Schauen wir zum besseren Verständnis drei extreme Situationen an:

 

Bleibst du nur in der ersten Ecke kleben, fehlt dir die Kommunikation, um eine Brücke zu anderen Menschen zu bauen – du wirst gar nicht wahrgenommen. Wenn du dich um das Handwerk auch nicht kümmerst, bist du nicht fähig, deine Botschaft in eine ansprechende Form zu bringen. Du bleibst auf deinen Inspirationen sitzen – egal, wie grossartig diese sein mögen.

Konzentrierst du dich zu sehr auf die zweite Ecke und hast dazu handwerkliches Geschick, bist du ein rein kommerzieller Künstler, ganz und gar abhängig von der Gunst des Publikums – und wirst wohl irgendwann ausgebrannt sein. Fehlt zudem das handwerkliche Können, wirst du selbst auf einer Hobbyausstellung keine Bewunderung ernten.

Legst du das ganze Gewicht auf den dritten Punkt, das handwerkliche Geschick, lauert die Gefahr des Erstarrens. Was du machst, ist vielleicht technisch perfekt, aber blutleer. Es fehlt die Inspiration und ein wesentlicher Teil der Kommunikation: das Herz. Daher berührt es die Menschen nicht – und macht auch dir nicht wirklich Freude.

Je besser du das Dreieck der Kreation verstehst und all seine Aspekte anwenden kannst, umso stärker werden deine Werke ausstrahlen.  

In der Cartoonschule geht es natürlich um das handwerkliche Können. Doch wir arbeiten stets auch am Verständnis der beiden anderen Ecken des Dreiecks, denn unser Ziel ist nicht die Perfektion, sondern die Freude an der Kunst! Franz von Assisi hat es schön ausgedrückt:

Der, welcher mit den Händen arbeitet,
ist ein Arbeiter.
 

Der, welcher mit den Händen und dem Kopf arbeitet,
ist ein Handwerker.

Der, welcher mit den Händen, dem Kopf
und dem Herzen arbeitet,
ist ein Künstler.

Ich wünsche dir – mit und ohne Zeichenstift – eine gute Balance von Kopf – Herz – Hand.

Matto

Wein doch nicht!

Wein doch nicht!

Gemuese und Co.

Wein doch nicht!

Diesen Cartoon habe ich für die Serie „Lebensmittel-Cartoons“ gezeichnet. Der Wein kann mit etwas Wohlwollen durchaus als Lebensmittel bezeichnet werden. Manchen dient er sogar als Überlebensmittel.

In den Olymp der Poesie hat ihn Hermann Hesse erhoben. In „Kunst des Müssiggangs“ schreibt er über den Wein:

Um ihn künstlerisch und weise zu lieben und zu geniessen und seine schmeichlerische Sprache in ihrer ganzen Zartheit zu verstehen, dazu muss einer so gut wie zu anderen Künsten von Natur begabt sein.

Dass in dem Fall nicht ein billiger Fusel im Glas sein sollte, setzt Hermann Hesse stillschweigend voraus. Die „ganze Zartheit“ muss natürlich vorhanden sein, sonst gibt es nicht viel zu verstehen und zu geniessen.

Genauso ist es beim Cartoon. Das sollte eine gelungene Kreation aus Idee, Bild, Wort und Technik sein – wie eine Cuvée, welche der Kellermeister aus passenden Weinen geschickt komponiert.

Das ist denn auch Ziel und Zweck der Cartoonschule, dass Werke geschaffen werden, die nicht zum Weinen, sondern zum Geniessen sind!

Gemüse und Co.

Gemüse und Co.

Gemuese und Co.

Gemüse und Co.

Der erste „Cartoon des Monats“ im neuen Jahr ist eine Zeichnung, die ich vor rund zwanzig Jahren für das Titelbild eines Rezeptbooklets gemacht habe. Da wir an dieser Stelle schon einige Cartoons aus der Serie „Das geheime Leben der Lebensmittel“ gesehen haben, mag dieses muntere Potpourri als Begrüssung zum Jahresbeginn recht passend sein.

Wir wissen nicht, ob die fröhlichen Kerlchen ahnen, welch ein Ende schliesslich in der Pfanne oder Salatschüssel auf sie wartet. Wir sehen einfach eine gutgelaunte Bande, die eine heitere Stimmung verbreitet.

 

Wir wissen ja auch nicht, ob wir selber bald einmal „den Salat haben werden“ – und Teil davon sind – oder ob wir gar von übelwollenden Kräften in die Pfanne gehauen werden. Die täglichen Nachrichten mögen solches andeuten, aber sicher ist es nicht.

Wir könnten uns jedoch Gemüse und Co. zum Vorbild nehmen, eine gutgelaunte Bande sein und heitere Stimmung verbreiten. So hätten wir jedenfalls nichts verpasst, ob nun Pfanne und Salatschüssel auf uns wartet – oder nicht.

 

Die Inspiration

Die Inspiration

„Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen!“ In meiner Kindheit haben sich die Eltern mit diesem Spruch bei mir nicht beliebt gemacht – aber die Arbeit wurde erledigt, und widerstrebend habe ich gelernt, dass das Vergnügen nach getaner Arbeit tatsächlich mehr Spass macht.

Nun, wenn es um Inspiration und Kreation geht, ist es genau umgekehrt. Hier heisst es: „Zuerst das Vergnügen, dann die Arbeit!“ Die Inspiration ist das Vergnügen! Allerdings nur, wenn sie stattfindet. Beim Schreiben oder Zeichnen vor einem leeren Blatt zu sitzen und sich den Kopf zu zerbrechen, nur um herauszufinden, dass nichts Brauchbares drin ist – das ist eine unangenehme Erfahrung. Überhaupt kein Vergnügen.

Wenn das geschieht, wird einfach am falschen Ort gesucht. Inspiration kommt nicht aus dem Kopf. Dort ist nur zu finden, was wir im Laufe des Lebens gesammelt und fein säuberlich eingelagert haben. In all den Jahren kommt da einiges zusammen – genug, um jede Menge Blätter zu füllen! Aber es ist wie die alte Langspielplatte, welche Onkel Paul an Weihnachten jeweils aufzulegen pflegte: Vertraut, aber nichts Neues.

Wirklich gute bis geniale Einfälle kommen aus einer grösseren Quelle als unserem limitierten Verstand. Doch nicht so ohne weiteres. Der Begriff „Inspiration“ kommt von in = hinein und spirare = hauchen. Eine zarte und leise Sache ist so ein Hauch. Will man ihn wahrnehmen, muss der laute Verstand erst den Mund halten. Dafür sorgt die Meditation. Das heisst, die Mitte finden. Dort herrscht Ruhe.

Nun braucht Meditation nicht stundenlanges Sitzen mit gekreuzten Beinen zu sein. Meditation ist im Grunde genommen alles, was dich in deine Mitte und in die Ruhe bringt. Es kann auch ein Waldspaziergang sein – oder sogar das Zeichnen selber! Entspannung und Atmung gehört stets dazu. Wenn du dich auf die Suche begibst, wirst du deinen eigenen Weg in die Mitte finden.

Dort angekommen, kann dich die Inspiration finden – wenn sie will. Sie lässt sich so wenig dazu zwingen wie ein Schmetterling, der sich auf deine Hand setzen soll. Inspiration ist immer ein Geschenk – und deshalb ist sie das Vergnügen. Danach kommt die Arbeit: die Kreation. Diese wollen wir im nächsten Zeichentipp anschauen.

Matto