Je t’aime!

Je t’aime!

Der Kartoffelpoet Cartoon

Oh Bergine, je t’aime!

Für diesen romantischen Cartoon hat meine Muse eine französische Sprechblase geliefert. Sie ist der Ansicht, dass «je t’aime» viel erotischer tönt als «ich liebe dich». Dass sie zudem aus der Aubergine noch ein köstliches Wortspiel zubereitet hat, gefällt mir. Solche Finessen sind der Grund, weshalb ich schon viele Jahre mit meiner Muse zusammenarbeite.

 

Sie liefert die Ideen, und ich mache einen Cartoon daraus. Dabei versuche ich, mit Zeichenstift und Pinsel ihre Ideen nicht nur treffend, sondern auch ästhetisch ansprechend darzustellen. Das wiederum begeistert meine Muse und beflügelt sie für weitere Ideen. Ein fröhliches Ping-Pong im Cartoonland, das uns beiden – und hoffentlich auch den Betrachtern – so richtig Freude macht!

 

 

Ein Elch auf der Schiene

Ein Elch auf der Schiene 

Heide lebt in Schweden, etwa auf halbem Weg zwischen Göteborg und Stockholm. Diese Tatsache allein ist nichts Besonderes. Wohl aber, dass Heide eine Reise von rund 1500 Kilometern unternimmt, um an den Ferienkursen im Montafon teilzunehmen – und dies seit Jahren. Auch diesen Sommer.

Nur diesmal war es etwas anders: Wir waren alle schon im Hotel, als uns Heide per Mail mitteilte, dass sie erst einen Tag später ankommen würde. Der Zug, in dem sie sass, hatte einen Elch gerammt, der auf der Schiene stand. Mit schlimmen Folgen für den Elch – aber auch für den Zug, der vier Stunden mitten im Wald steckenblieb und abgeschleppt werden musste. Die Odyssee, die daraufhin folgte – mit verpasstem Bus und Flug, schweren Koffern, defekten Rolltreppen, unfreundlichem Personal und einem dreimal so teuren neuen Flugticket – beschrieb Heide in ihrer Mail so galgenhumorvoll, dass dies beim Vorlesen für grosse Heiterkeit sorgte.

Auch wenn sie einen Tag des Workshops verpasste, erlebte Heide in unserer frohen Runde noch viel Freude und war froh, die Reise trotz des unschönen Beginns dennoch angetreten zu haben. Also ein Happy End – ebenfalls für den Elch, da wir annehmen, dass es auch für ihn einen Himmel gibt.

Eigentlich wäre die Geschichte damit zu Ende. Doch sie ging mir nicht aus dem Kopf und bekam beim Nachsinnen eine symbolhafte Bedeutung:

In jungen Jahren ärgerte ich mich oft masslos, wenn mir beim Zeichnen etwas nicht gelingen wollte. Das war «der Elch auf der Schiene», der sich anmasste, meinem Erfolg im Wege zu stehen! Ich versuchte dann jeweils, einfach stur weiterzufahren. Das kam meist nicht gut und endete oft zu nächtlicher Stunde mit roten Augen und einer missratenen Zeichnung.

Als ich älter wurde, verabschiedete ich mich vom Wunsch, auf der geraden Schiene, die mein Verstand durchs Leben legt,  möglichst schnell ans Ziel zu kommen. Ich verlangsamte meine Fahrt, weil ich verstand, dass der Elch nicht ohne Grund auf der Schiene steht. Er hat eine Botschaft für mich, und die verpasse ich, wenn ich ihn einfach überfahre.

Ich lernte, mit dem Elch auf der Schiene Frieden zu schliessen und ihm zuzuhören, wenn er auftaucht. Er ist dann zufrieden, geht seines Wegs, und ich kann weiterfahren. Vielleicht etwas später als geplant, aber dafür ohne energie- und zeitraubende Kollision.

Wie so oft gewann ich auch hier wieder auf dem kleinen Spielfeld des Zeichenpapiers eine Erkenntnis für das grosse Spielfeld des Lebens.

Matto

Der grosse Elch im hohen Norden
ist vom Zug gemeuchelt worden.
Doch der Elch hat – Gott sei Dank!
den Schwedenbitter-Zaubertrank.
Er trinkt den Trank, den er so liebt,
jetzt da, wo’s keine Züge gibt.

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Humor

Humor 

Der Humor gehört zum Cartoon wie das Ei zum Huhn. Doch was steckt eigentlich in diesem «Ei»?

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“. Diesen Spruch zitieren wir gerne, vielleicht auch um kundzutun, dass wir über Humor verfügen. Doch haben wir Humor, bloss weil wir ihn mit einer klugen Definition in Worte fassen können? Und verstehen wir überhaupt den tieferen Sinn des Spruchs?

Das «Trotzdem» ist uns am ehesten vertraut. Das sind all die kleinen und grossen Gewichte, die uns statt der geplanten Höhenflüge im Leben oft nur bescheidene Hüpfer gestatten. Die Sandsäcke, die an unserem Ballonkorb hängen. Und davon gibt es, weiss Gott, genügend!

Beim «Lachen» wird es schon schwieriger. Es hat so viele Gesichter! Vom leisen bis zum schallenden Lachen, von versteckt und schadenfreudig bis zum Lachen, bei dem man sich buchstäblich in die Hosen macht. Man kann sich «ausschütten vor Lachen», und ich habe schon so gelacht, dass es richtig wehgetan hat. – Welches Lachen ist nun gemeint, wenn «trotzdem» gelacht wird? Wie lacht der Humor?

Der Philosoph Yves Bossart hat es schön ausgedrückt in seinem Essay «Ein Hoch auf den Humor. Wer lacht, lebt besser – stirbt aber trotzdem.»

Darin schreibt er:

«Ich lache für mein Leben gern. Ehrlich gesagt: Ich weiss nicht, ob ich ohne Humor überhaupt noch am Leben wäre. Das Lachen hilft mir in schweren Zeiten, in Momenten der Verzweiflung, der Anspannung, der Angst und Überforderung. Aber auch in peinlichen Situationen. Humor ist eine Abwehrreaktion. Er schafft Distanz – zur Welt und zu mir selbst. …Wenn wir lachen, treten wir einen Schritt zurück, wir verändern unsere Perspektive und sehen die Welt auf neue Weise: ehrlicher, leichter, befreiter.»

Ja, das ist es! Dieser Schritt, den wir zurücktreten – er schafft Raum und lässt uns wieder atmen. Er befreit uns aus dem Käfig, den das beschränkte Ego und dessen Assistent – der überaus wichtige und ernsthafte Verstand – für uns gezimmert hat. Er hilft uns Frieden zu schliessen mit der Tatsache, dass wir nicht so grossartig sind, wie wir es gerne hätten. Er lässt uns Fehler machen – und dennoch liebenswerte Geschöpfe sein.

Witz und Humor wird oft in denselben Topf gesteckt. Dabei gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden: Der Witz macht Spass, kann aber auch verletzen. Zudem braucht er den Applaus und ein grosses Lachen, damit er zufrieden ist. Humor hingegen hat es nicht nötig, lautstark daherzukommen. Er hat immer etwas mit Liebe zu tun, und weil das eine grosse Kraft ist, kann sein Lachen herzhaft oder leise sein – und vielleicht nur ein Lächeln, aber es kommt aus dem Herzen und vermag dadurch vieles zu heilen. So habe ich die Widmung gemeint, die ich vor elf Jahren dem ersten Strichmännchen-Buch auf den Weg gegeben habe:

Für alle Menschen,
die in ihrem Leben den Humor bewahren,
diesen göttlichen Balsam aus Leichtigkeit und Liebe.

So wünsche ich dir – ungeachtet aller «Trotzdems» – immer wieder ein befreiendes Lachen, denn wie sagt eine japanische Weisheit so schön: «Das Glück kommt zu denen, die lachen.»

                                                             Matto

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Armes Würstchen

Armes Würstchen

Armes Würstchen

Ein Cartoon lässt sich geniessen wie ein gutes Essen. Das gilt natürlich nicht für alle Cartoons. Es gibt auch da «Fast Food», bei dem es nicht viel zu geniessen gibt. Doch darum geht es hier nicht, sondern um Cartoons als eine Form von Kunst, die oft unterschätzt wird.

Der Stifter und Gründer des Cartoonmuseums Basel, Dieter Burckhardt (1914 – 1991), sagte einmal sinngemäss, Cartoons seien nichts für dumme Menschen. Da hatte er wohl recht. Auch ein Sternekoch übt seine Kunst nicht aus für einen dumpfen Bürger, der sich einfach den Wanst vollschlägt, während er mit dem Handy hantiert oder Zeitung liest.

Wenn ich Cartoons zeichne, mache ich das für Geniesser. Zwar bin ich dann in den allermeisten Fällen nicht dabei, wenn der Cartoon genossen wird. Genau wie der Koch, der in der Küche steht, während seine Kreation serviert wird. Doch wie dieser ziehe ich die Befriedigung aus der reinen Vorstellung, dass «da draussen» etwas genossen wird, was in meiner Küche entstanden ist. Und das hat für mich etwas mit Glück zu tun.

PS: Sind die Sommertage schön und warm, brutzelst du vielleicht arme Würstchen auf dem Gartengrill. Wenn es hingegen mal regnet, empfehle ich dir einen Ausflug nach Basel ins Cartoonmuseum (www.cartoonmuseum.ch). Da wird manch ein Leckerbissen serviert. Aber nimm dir Zeit dafür – und überesse dich nicht!

Der blaue Papagei

Der blaue Papagei 

„Du hast einen Vogel!“ Diese Bemerkung kennen wir alle. Ausgesprochen oder nonverbal, meist aus dem schützenden Auto heraus, mit dem Zeigefinger am Kopf.

Kürzlich war ich in der Stadt, und da erlebte ich das mit dem Vogel auf eine ganz besondere Weise: Während ich vor dem Fussgängerstreifen auf Grün wartete, sah ich Blau – und wie! Mir stand der Mund offen, als eine Frau daherkam. Nicht etwa wegen der Frau, sondern weil sie auf jeder Schulter einen grossen blauen Papagei trug! „Bei Ihnen kann man wirklich sagen, Sie hätten einen Vogel“, sagte ich zur Frau, als ich mich etwas erholt hatte. „Ja, sogar zwei“, entgegnete sie lachend. Und der eine Papagei lachte mit – oder krächzte zumindest ohrenbetäubend. Dann wurde es Grün, und die beiden Blau überquerten mit der Frau die Strasse.

Das blaue Wunder, das ich soeben erlebt hatte, wirkte bei mir noch eine ganze Weile nach. Es stimmte mich heiter, und ich fühlte mich auf eine seltsame Art mit dieser Frau und ihren

Papageien verbunden. „Im Grunde genommen“, sinnierte ich beim Weitergehen, „sind Strichmännchen und Cartoonfiguren solche Papageien: Wir tragen sie zwar nicht auf den Schultern herum, und sie krächzen nicht. Doch auch sie kommen aus einer anderen Welt, überraschen uns und bringen für einen Moment wohltuende Heiterkeit ins Leben.“

Es braucht ein klein wenig Verrücktheit und etwas Mut, blaue Papageien durch die Stadt zu tragen. Gewiss gilt das auch, wenn wir Strichmännchen und Cartoonfiguren in die Welt setzen. In einer Zeit, wo der überaus wichtige und ernsthafte Kopf das Sagen hat, ist es manchmal nicht einfach zuzugeben, dass ein Kind in uns steckt, das gerne lustige Dinge zeichnet.

Doch es ist ausgesprochen herzerfrischend, wenn wir es dennoch tun! – So wünsche ich dir ein bisschen Verrücktheit und viel Mut für deine ganz persönlichen blauen Papageien!

                                                                              Matto

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William und Helene

William und Helene

Der Kartoffelpoet Cartoon

William und Helene

Der Wonnemonat Mai bringt die warmen Tage zurück und lockt uns hinaus zu manch einem Spaziergang in der freien Natur. Das ist auch bei den Birnen der Fall, wie bei Hélène und Wiliam, die hier lustwandelnd unterwegs sind.

Du wunderst dich, dass es weibliche und männliche Birnen gibt? – Klar, es heisst DIE Birne, also eindeutig weiblich. Doch es gibt tatsächlich auch männliche Birnen. Die Williams-Birne zum Beispiel. Diese endet nicht selten im Alkohol und wird dann „Vieille Poire“ genannt. Die weibliche Birne hingegen kannst du an Sommertagen in einem Gartenrestaurant antreffen. Kühl und mit einem Sahnehäubchen tritt sie auf und trägt den Namen „Poire Belle Hélène“.

Wohlklingende französische Namen hin oder her – dass das Paar auf diese Weise getrennte Wege gehen muss, ist eine traurige Realität!

Wenn wir Cartoons zeichnen, können wir zum Glück unsere eigene Realität erschaffen. Auf dem Papier – und weil es ansteckend ist – auch im Leben. Das wird dann „Humor“ genannt. So können wir den harten Tatsachen hin und wieder ein Schnippchen schlagen – was nicht nur Hélène und William, sondern auch uns selber ein bisschen glücklich macht.