Idee, Bild und Wort

Idee, Bild und Wort

Hello Again

Idee, Bild und Wort

Bei diesem Bild habe ich mich buchstäblich mit fremden Federn geschmückt. Mein Beitrag als Cartoonist ist hier für einmal keine Zeichnung, sondern nur die Idee mit dem Vers in der Sprechblase.

Mag sein, dass du kein grosses Licht im Zeichnen bist. Macht nichts. Du kannst dafür vielleicht Verse schmieden – oder hast Einfälle, die auch ohne Reim witzig sind. So kannst du viel Freude haben – und machen – mit Sprechblasen-Montagen. Und vielleicht findest du auf diesem Weg sogar den Mut für gezeichnete Cartoons. Das Gewusst-Wie kannst du dir in der Cartoonschule holen.

Diese Formel ist hilfreich:
Cartoon = Idee + Bild + Wort

 

 

Ein Beispiel: Nehmen wir an, dein Cartoon sollte 10 Punkte erreichen. Bist du ein witziger Typ und zauberst Ideen von 7 Punkten aus dem Hut, brauchst du mit Bild und Wort nur noch 3 Punkte zu ergattern.

Mit dieser Taktik habe ich seinerzeit sogar meine Maturitätsprüfung, das Abitur, geschafft: In Mathe war ich grottenschlecht, dafür in Latein einer der Besten. Hat funktioniert. – Mach die Punkte dort, wo du stark bist! Und beginne einfach mal, denn es ist besser, zehn Punkte zu machen, als hundert nicht zu machen.

Wachs, Feuer und Luft

Wachs, Feuer und Luft

Hello Again

Wachs, Feuer und Luft

Irgendwie clever, die eine Kerze, die keine Lust hat, abgebrannt zu werden. Aber auch ein bisschen dumm, weil sie dadurch ihren Zweck verfehlt, ein wenig Licht und Wärme zu produzieren.  

Um zu brennen, braucht die Kerze bekanntlich drei Dinge: Wachs, Feuer und Luft.

Um zu leben, braucht der Mensch bekanntlich drei Dinge: Wachs, das heisst, die materiellen Dinge. Feuer, das heisst Freude oder – etwas höher gegriffen – Liebe. Und schliesslich Freiheit – die Luft, die es braucht, damit die Flamme nicht flackert oder gar verlöscht. 

 

Ein bisschen dumm wäre der Mensch, wenn er sich ausschliesslich um den Wachs kümmern würde, um eine immer dickere Kerze zu werden. Wachsdumm, gewissermassen. Bei dem ganzen Wachstum würde er den Zweck verfehlen, ein wenig Licht und Wärme zu produzieren. 

Vielleicht sind deshalb die Worte «Kerzen» und «Herzen» so nahe beisammen, damit die Sache mit der Luft und dem Feuer nicht vergessen geht.

PS:

Hast du gewusst, dass die Flamme einer ganz normalen Kerze grösser ist als die einer richtig dicken, fetten Kerze?

 

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Der Eierdoktor

Der Eierdoktor

Der Kartoffelpoet Cartoon

Der Eierdoktor

Als ich vor Jahren diesen Cartoon zeichnete, gab es für mich noch eine komfortable Distanz zwischen meiner Welt und diesem Drama im Eierland. Inzwischen gehen auch in unserer Welt immer mehr Eier kaputt – um bei diesem Bild zu bleiben. Angesichts dieses Geschehens möchte ich manchmal dieselbe Diagnose machen wie der Eierdoktor.

Es ist offensichtlich, dass für das Ei «jede Hilfe zu spät kommt». Doch da sind ja drei Eier, die noch intakt sind: der Doktor, der zwar nicht mehr helfen kann, und zwei offensichtlich schockierte Zuschauer. Ein Abbild unserer Welt, sozusagen: Alle möglichen «Doktoren» – gewählte oder selbsternannte – die mit ihrem Latein am Ende sind, und andere, die hilflos zuschauen.

Cartoons sind mitunter recht tiefgründig und lassen Raum fürs Weiterdenken. Damals, beim Zeichnen dieses Eierdramas, war für mich klar, dass das kaputte Ei das Problem ist. Doch heute frage ich mich: Sind nicht die drei anderen das Problem? Wie könnte das Ei als Küken, Spiegelei oder was auch immer seine Bestimmung erfüllen, wenn die Schale nicht aufbrechen würde? – Wäre das am Ende eine Erklärung für das momentane Drama in unserer Welt?

Um Himmels Willen! Jetzt sind wir aber ernst geworden – ein Zustand, in dem wir ohnehin viel zu oft drinstecken und der so gar nicht zum Cartoon passt. Dessen Zweck ist ja gerade, die Schale allzu grosser Ernsthaftigkeit mit Humor zu knacken. Deshalb hier noch schnell ein rührendes Bildchen mit einem anderen Ei – nicht zum Brutzeln, sondern zum Schmunzeln.

Alte Scheunen

Alte Scheunen 

Im Oktober-Newsletter erinnerte ich mich an ein Zeichenheft, welches ich als junger Kunststudent so amüsant fand, weil es Anleitungen zum Malen von alten Scheunen gab. Dabei liess ich die Frage stehen: «Wie kommt es dazu, dass jemand überhaupt eine alte Scheune malen möchte? Warum nicht eine traumhafte Landschaft, eine zarte Rose oder eine schöne Frau? Warum um Himmels Willen eine alte Scheune?»

Wenn du lesen magst, welche Antwort ich darauf gefunden habe, lass mich einen Bogen spannen:

Albert Anker war ein Schweizer Maler. Er lebte von 1831 bis 1910 und malte vorwiegend Menschen und Szenen aus dem ländlichen Alltag. Ich mag seine Kunst. Allerdings weniger die Bilder rotbackiger Kinder, die jeder kennt, weil sie bis zum Abwinken reproduziert wurden. Sein Werk umfasst viel mehr!

Eines meiner Lieblingsbilder ist ein Stillleben. (Wird tatsächlich mit drei l geschrieben, weil es nicht von «Stil» abgeleitet ist, sondern vom niederländischen «still leven», was «stilles Leben» bedeutet). Besagtes Bild heisst «Kaffee und Kartoffeln». Was da so still auf einem rustikalen Tisch liegt, ist nicht schön im herkömmlichen Sinn. Weder die Kaffeekanne, noch das angeschnittene Brot dahinter. Auch nicht der Milchkrug und die abgewetzte Tasse. Und schon gar nicht die Kartoffeln mit der aufgeplatzten Schale.

Als schön empfinde ich das Bild, weil es mich tief innen berührt und etwas anklingen lässt. Vielleicht das Gefühl von Ruhe, Wärme und Geborgenheit und einem friedlichen Innehalten im Lauf der Zeit. «Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters», heisst es. Ich finde, es geht noch tiefer und hat etwas mit dem Herzen zu tun. Joseph von Eichendorff weist in seinem wunderbaren Gedicht darauf hin:

Schläft ein Lied in allen Dingen,
die da träumen fort und fort
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.

Nimmst du beim Zauberwort den Buchstaben w weg, wird ein «Zauberort» daraus. Schaffe dir im Getriebe dieser verrückten Welt eine Insel, und du findest diesen Ort. Er liegt in dir. Dort wohnt die Kraft, die dem Leben die Freude und die Schönheit zurückgibt. «Alles ist schön, was mit Liebe betrachtet wird.»

Das können auch Kartoffeln, abgewetzte Tassen – oder alte Scheunen sein.

Viele Wege führen zu diesem magischen Ort der Ruhe. Das Zeichnen ist einer davon.             

                                                    Matto

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Wie zeichne ich alte Scheunen?

Wie male ich alte Scheunen? 

Als junger Kunststudent kaufte ich mir einige dieser amerikanischen Zeichenhefte, die dasselbe anboten wie heute die unzähligen online-Tutorials: Anleitungen zu bestimmten Themen wie Porträtzeichnen, Karikaturen, Perspektive usw.

Unter all diesen Heften war eines mit dem Titel «How to Paint Old Barns». Nicht dass ich es kaufte – aber ich amüsierte mich köstlich darüber, dass sich jemand die Mühe gemacht hatte, den Menschen beizubringen, wie alte Scheunen zu malen sind. In meinem Studium lernte ich nämlich die Grundlagen mit dem Ziel, danach ALLES zeichnen und malen zu können – auch alte Scheunen.

Im Emmental, wo ich aufgewachsen bin, sagt man: «Wenn eine alte Scheune Feuer fängt, dann brennt sie lichterloh.» Damit beschreibt der Volksmund jemanden, der sich im Alter noch einmal verliebt und darob den Kopf – und sonst noch einiges – verlieren kann. Als ich neulich diesen Spruch hörte, wurde die Erinnerung an jenes Zeichenheft mit den «Old Barns» wieder wach, und ich musste schmunzeln, als ich daran dachte.

Seit meinem Studium sind viele Jahre vergangen, doch ein Grundsatz, den ich von meinen Lehrern gelernt hatte, ist geblieben: Das Verstehen der Grundlagen führt zur Freiheit im Zeichnen und Malen.

Das vermittle ich – nunmehr selber Lehrer – in der Cartoonschule. Zum Beispiel im Jahreskurs «Der Zeichenkoffer». Da lernst du vier Dinge, die man kennen und können sollte, wenn man zeichnen will. Vier Dinge – nicht mehr. Gewissermassen ein Tisch mit vier Beinen, auf dem ALLES Platz hat, was es überhaupt zu zeichnen gibt!

Etwas hat sich in all den Jahren hingegen verändert: meine Sicht auf das Leben. Der freche Witz der Jugend hat dem etwas sanfteren Humor Platz gemacht – und statt eines Ausrufezeichens steht nun öfters ein Fragezeichen im Raum. So ist mir eine Frage durch den Kopf gegangen:

«Wie kommt es dazu, dass jemand überhaupt eine alte Scheune malen möchte?»

Warum nicht eine traumhafte Landschaft, eine zarte Rose oder eine schöne Frau? Warum um Himmels Willen eine alte Scheune? – Eine interessante Frage, finde ich. Wollen wir diese bis zum nächsten Newsletter etwas unters Kopfkissen legen? Vielleicht haben wir bis dann eine Antwort darauf.

Ein herzlicher Gruss – mit Ausrufezeichen 

                                                                                           Matto

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Taube Nuss

Taube Nuss

Hello Again

Taube Nuss

In diesem Cartoon wird ersichtlich, dass nicht nur bei den Menschen Konflikte eskalieren können. Eine weitere brisante Enthüllung aus der Serie «Das geheime Leben der Lebensmittel»!

Die Walnuss sieht nicht ein, dass sie sich endlich mit Hörgeräten versorgen sollte und wird daher vom Radieschen als «taube Nuss» tituliert. Da sie ausserdem noch unsensibel ist oder gar unter Altersstarrsinn leidet, merkt sie nicht, welchen Stress sie mit ihrer Schwerhörigkeit verursacht. Sie könnte daher zu Recht auch als «harte Nuss» bezeichnet werden.

Ein Cartoon darf fast alles. Nur eines sollte er nicht: langweilig sein. Abgesehen von einer witzigen Bildidee sorgen die sogenannten «Kontrastpaare» dafür, dass ein Bild nicht fade, sondern knackig daherkommt. Gross – klein, hell – dunkel, glatt – rau, aber auch ruhig – bewegt sind solche Kontrastpaare. Dazu kommt noch die ganze Palette der Farbkontraste.

Falls nun ein weiterer Kontrast entsteht – zwischen dem Zornausbruch des genervten Radieschens und deinem Vergnügen beim Betrachten der Szene – ist das durchaus beabsichtigt. Ein Cartoon soll ja dazu beitragen, das Leben ein bisschen knackiger zu machen. Auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist.