Eigenlob

„Eigenlob stinkt!“ Wer hat diesen verbalen Hammer nicht schon gehört oder gar selber in der Kindheit zu spüren bekommen? In der wohlmeinenden Absicht, die Tugend der Bescheidenheit zu fördern, gibt manch eine Mutter, ein Vater oder sonst eine Autoritätsperson diesen Glaubenssatz einem Kind mit auf den Lebensweg. 

Offenbar stinkt niemand gerne, denn Eigenlob erlebt man selten. Die Selbstabwertung hingegen ist weit verbreitet. Wir sind gut geübt darin, uns kleiner zu machen als wir sind! Nun frage ich mich: Wenn Eigenlob stinkt – wie riecht dann wohl Selbstabwertung? Nach Lavendel oder Rosen? 

Doch werfen wir lieber noch einen Blick auf das Eigenlob. Wie wäre es, wenn du dir ab und zu ein solches gönnen und beobachten würdest, welcher Duft sich dann verbreitet? Du brauchst das Lob natürlich nicht laut auszusprechen – schon gar nicht andern gegenüber, du liebe Zeit! So weit wollen wir dann doch nicht gehen! Aber einfach so im Stillen, für dich allein.

 

 

Das kann aus irgendeinem Anlass sein, immer und überall im Leben. Besonders gut lässt sich ein Eigenlob anbringen, wenn du zeichnest, weil es da viele Gelegenheiten gibt, Fehler zu machen. Statt gleich den Zweihänder der Selbstabwertung auszupacken, könntest du es mal mit Eigenlob versuchen. Auch wenn bei einer Zeichnung noch nicht alles gelingt – ein Teil davon ist gut! Darauf – und nicht auf die Fehler – richte das Augenmerk und klopfe dir auf die Schulter! Das macht dem Fortschritt Beine und gibt Mut! Noch vorhandene Fehler kannst du korrigieren, einen nach dem andern. So werden deine Zeichnungen zusehends besser, und die Spirale nach oben beginnt sich zu drehen!

 Das Eigenlob ist besser als sein Ruf. Mach es zu deinem Verbündeten – und die Selbstabwertung kann verduften!