Alles Kohl

Alles Kohl

Kohl_Cartoon

Alles Kohl

Nachdem wir an dieser Stelle bereits eine Pilzausstellung gesehen haben, präsentieren wir nun den Kohl.

Wer diesen nur als Gemüse sieht, welches zu allen möglichen Gerichten verarbeitet wird, tut ihm unrecht. Wie zu sehen ist, verbergen sich in den diversen Kohlsorten ganz unterschiedliche Charaktere!

Zum Glück ist solches nur mit dem Cartoon-Auge zu erkennen. Dieses wäre beim Einkauf und in der Küche eher hinderlich. Wer würde schon hinter der schönen Bezeichnung „Blumenkohl“ einen solchen Grantler vermuten? Und natürlich würde es kaum jemand übers Herz bringen, dem süssen kleinen Rosenkohl mit dem Messer zu Leibe zu rücken oder den lustigen Blaukohl in die Pfanne zu hauen.

Die Perfektionismaus

Die Perfektionismaus

Der Verpassnix - Cartoon

Die Perfektionismaus

Der Trick der Perfektionismaus ist ganz einfach: Sie macht sich unzählige Normen und Regeln zunutze, die unbedingt befolgt – und Ansprüche, die unbedingt erfüllt werden müssen. Bei jedem Fehltritt oder Scheitern ist ein Tribut an die Perfektionismaus zu bezahlen – und zwar mit Lebensfreude.

Schon früh in der Kindheit schlich sich dieser üble Krakla auch in mein Leben, um sich an meiner prallen kindlichen Lebensfreude gütlich zu tun. Zum Beispiel sonntags, wenn ich die schönen Kleider anziehen musste. Das war stets verbunden mit der strengen Auflage, diese nicht schmutzig zu machen. Dem Anspruch konnte ich selten genügen, dafür trug ich die Perfektionismaus den ganzen Tag mit mir herum, was meinen Aktionsradius und den Spass am Sonntag erheblich einschränkte.

Später in der Schule war das geometrische Zeichnen ein wahres Eldorado für die Perfektionismaus. Unter der Fuchtel eines cholerischen Lehrers wurde das Hantieren mit Zirkel, Lineal und Tusche zu einem schrecklichen Abenteuer. Ganz besonders für einen Klassenkameraden, der stotterte. Bei ihm waren Kleckse auf der Zeichnung so sicher wie das Amen in der Kirche.  Es war in einer dieser Folterstunden, als wir den Lehrer auf einmal schimpfen hörten: “ Itz tuet doch dä Löu ä Tougge mit em Zirkuschpitz usgrüble!“ („Jetzt kratzt doch dieser Depp einen Klecks mit der Zirkelspitze aus!“). Man kann nur ahnen, in welcher Gemütsverfassung der arme Junge zu dieser verzweifelten Methode griff.

So wirkten die Erziehungsberechtigten – selber schon längst Opfer der Perfektionismaus – ungewollt als ihre Agenten. Als erwachsener Mensch wird man selber zu einem solchen und plagt dadurch sich selber und seine Nachkommen. Die Welt soll uns als das sehen, was wir gerne wären: Makellose, strahlende Gewinner!

 

Leider sind wir das nicht so oft, wie wir es gerne hätten. So lauert die Perfektionismaus in der breiten Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit und ernährt sich reichlich von der Lebensfreude, die da ständig hinunterfällt. Diese Erkenntnis gibt uns nun den Hinweis darauf, wie wir diesen fiesen Krakla loswerden können: Einfach die Kluft dicht machen!

Wenn du nicht gerade den El Capitan als Freeclimber*in besteigst oder als Hochseilartist*in ohne Netz arbeitest, wird ein Fehler dich kaum umbringen. Das heisst, das Leben geht weiter. Neue Chancen – neues Glück! Daher kannst du, wenn wieder mal ein Fehler passiert oder du einem Anspruch nicht genügst, viel Druck wegnehmen mit der simplen Frage „Na und?“

Ausserdem ist es hilfreich, das Wort „Fehler“ in „Erfahrung“ umzubenennen. So machst du aus der Scheisse Dünger – salopp ausgedrückt. Oft sind es gerade die Fehler – oder besser gesagt, die Erkenntnisse daraus – welche zum Erfolg führen. Da kann ich selber ein Lied davon singen! – Kennst du die Geschichte von dem Angestellten, der bei seiner Arbeit so grossen Mist baute, dass es die Firma eine Million kostete? Als er deswegen die Kündigung einreichen wollte, sagte der Chef: „Sind Sie verrückt? Jetzt haben wir gerade eine Million in Ihre Ausbildung investiert!“

Auch wenn wir nicht perfekt sind – oder gerade deswegen – sind wir liebenswerte Helden und Heldinnen des Alltags! In dem Masse, wie wir diese Einstellung gewinnen, kommt der Humor und die Lockerheit ins Leben zurück – und damit etwas von der Lebensfreude, die uns die Perfektionismaus geklaut hat.

Phantasie

Phantasie

Frühling – die Natur ist erwacht. Eine gute Zeit, auch die Phantasie aus dem Winterschlaf zu holen, falls sie noch schlummern sollte! Etwas, das sonst eher ein Ärgernis ist, hilft dir dabei: Der Klecks und der Fleck

Während der Fleck auf ganz unterschiedliche Weise zustande kommt, ist der Klecks ein Tropfen. Nicht der berühmte, der das Fass zum Überlaufen bringt, sondern sein schwarzer, weinroter oder sonst wie farbiger Kollege, der auf eine Oberfläche fällt, wo er nicht hingehört. Vorzugsweise ein weisses Tischtuch oder eine fast fertige Reinzeichnung. 

Nun gibt es den kreativen Ansatz, wie du damit umgehen kannst: Du freust dich an den eigenartigen Formen, die da entstehen und machst mit Phantasie und Zeichenstift höchst vergnügliche Figuren daraus!

Natürlich wartest du nicht auf den nächsten Klecks oder Fleck. Lustvoll und ausgiebig produzierst du solche gleich selber mit Tinte, Tusche oder Wasserfarben. Du kannst dafür irgendein Papier verwenden, auch eines, das bereits bedruckt ist oder eine spezielle Struktur hat. Geeignet ist alles, was deiner Phantasie hilft, ihre Frühlingsgefühle auszuleben.

Ich wünsche dir viel Spass dabei!

Klecks und Fleck_Cartoon

P.S. Wie so manches ist auch das keine neue Erfindung. Bereits im 19. Jahrhundert wurden „Klecksographien“ gemacht. Heute liefern z.B. Peng und Hu mit ihrem Buch „Hirameki“ eine Fülle von Beispielen und Anregungen (Google weiss mehr darüber). Klecks oder Fleck als Ursprung haben z.T. auch die entzückenden kleinen Cartoons, welche Moni Sauerteig, eine Schülerin der Cartoonschule, hinzaubert (www.catoons.ch).

Wurstgespräch

Wurstgespräch

Wurstgespräch

Im Cartoon vom August 2020 erschien hier das Schwein, welches bei der Wahrsagerin seine Zukunft erfahren wollte.

Könnte es sein, dass die nachdenkliche Wurst rechts im Bild die Reinkarnation dieses Schweins ist? Oder hatte die Wahrsagerin damals mit ihrer Vision des Schinkens Recht? – Das ist aus dem Bild nicht ersichtlich.

Doch als aussenstehende Betrachter können wir erkennen, dass es klug wäre, mit Behauptungen etwas zurückhaltend zu sein. Die Meinung anderer sollte uns nicht wurst sein. Es könnte ja sein, dass sie auch ein bisschen Recht haben.
Der Verpassnix

Der Verpassnix

Der Verpassnix - Cartoon

Der Verpassnix

Wer kennt sie nicht, die Gallier Asterix und Obelix? Auch andere Bewohner des unbeugsamen gallischen Dorfs sind wohl ein Begriff: Der Druide Miraculix, der gewichtige Häuptling Majestix, der bedauernswerte Barde Troubadix oder der alte Methusalix. – Doch hast du schon jemals etwas von Verpassnix gehört? Wohl kaum, denn er gehört nicht zum bunten Haufen in jenem gallischen Dorf. – Verpassnix ist der Name eines Kraklas, und er lebt mitten unter uns!

Der Verpassnix sitzt weder auf dem Kopf wie der Nackte Angstling, noch auf der Schulter wie das Graue Männchen. Er pflanzt sich auch nicht auf dem Weg zu unserem Ziel auf wie der Vorwandler, hockt nicht auf dem Pendenzenberg wie der Verschieberbiber oder auf unserem Schoss wie der Couch Potato. – Der Verpassnix ist überall!

Er verursacht einen Zustand, der inzwischen sogar einen psychologischen Fachbegriff bekommen hat: FOMO. Was so harmlos daherkommt wie der Name eines Waschmittels, ist die Abkürzung von „Fear Of Missing Out“ – die Angst, etwas zu verpassen. Es ist eine Grundangst des Menschen, nicht mithalten und mitreden zu können und den Anschluss zu verpassen. – Der Kraftklauer Verpassnix lebt von dieser Angst wie die grauen Herren im Märchen „Momo“ von den Zigarren aus getrockneten Zeitblumen.

 

Das Handy ist bei vielen Menschen inzwischen ein Körperteil geworden, und ohne Internet geht gar nichts mehr. Der Verpassnix ist froh darum. Wie ein Wegweiser mit Hunderten von Schildern zeigt er gleichzeitig in alle Richtungen auf eine überwältigende Fülle von Informationen, Angeboten und sozialen Verpflichtungen. Alles spannend, verlockend und wichtig. Da will man nicht im Abseits stehen!

So wird das Lebensrad grösser und grösser – und damit auch das Tempo auf der Umlaufbahn. Die Zentrifugalkraft reisst die Menschen aus ihrer Mitte heraus. Ein Wäschetrockner, der nicht das Wasser, sondern die Lebenskraft entzieht. Im Bemühen, nichts zu verpassen, wird alles verpasst. Wer überall sein will, ist nirgends richtig und fällt zwischen Stuhl und Bank.

Wenn der Verpassnix ein Kraftklauer ist und nach aussen zeigt, würde der Weg zur Kraft wohl nach innen gehen. Man müsste die Frechheit haben, gegen den Mainstream zu schwimmen: Dinge weglassen, das Tempo und die Zentrifugalkraft reduzieren. Wer diesen Weg geht, könnte die Erkenntnis gewinnen, dass in der Mitte zu finden ist, was im Aussen so fieberhaft gesucht wird. Nix verpasst – alles gefunden. Das Leben kann beginnen!